Richtig entwickelt
Immer wieder hört man, dass das Ruhrgebiet endgültig in seinen letzten Zügen liegt, der Abbau beinahe stillliegt, auch die letzten standhaften Unternehmen zusperren und die einzigen Menschen, die dort noch anzutreffen sind, Knappen sind, die es geschafft haben, tatsächlich noch einen Arbeitsplatz zu finden.
Das Ruhrgebiet krankt wirklich aus den oben genannten Gründen und zeigt erhebliche Strukturschwächen, allerdings kann man das auch nicht ganz pauschaliter so sagen.
Bestes Beispiel dafür ist Bochum. Die westfälische Stadt hat nämlich den Wandel hervorragend vollzogen, von einer Industrie- und Arbeitermetropole des 19. und 20. Jahrhunderts zu einem starken und florierenden Dienstleistungsstandort zu mutieren. Man hat quasi jeweils den Trend gesehen und sich demgemäß entwickelt, was zwar wie jede Veränderung mit Risiken verbunden war, aber a la longue zu einem äußerst befriedigenden Ergebnis geführt hat.
Während also andere große Städte der Region tatsächlich an Strukturproblemen und starker Bevölkerungsabwander ung kranken, verzeichnet Bochum sogar Zuwächse und zeigt sich als attraktiver Standort.
Mit der guten Wirtschaft folgen natürlich Arbeitsplätze, was zur Herausbildung eines breiteren Mittelstandes geführt hat. Abgesehen von vielen positiven indirekten Aspekten zeitigt dieser Umstand noch eine ganz praktische Wirkung: Besserverdienende zahlen mehr Steuern, die Stadt hat mehr Geld für Kultur, Infrastruktur und andere Bereiche, um die Stadt daraus wiederum attraktiver zu machen und eine noch höhere Wertschöpfung zu erzielen.
Deswegen mangelt es auch nicht an sozialen und pädagogischen Einrichtungen, ob Hochschule, Schule oder Kindergarten Bochum, man wird fündig. Auch das macht die Stadt, vor allem für (junge) Familien, wieder interessanter, das fördert wiederum die Zuwanderung und die gewünschte Diversität, wodurch sich eine pluralistische, multikulturelle, dynamische Stadt auszeichnet. Außerdem ist man als Berufstätiger dann zusätzlich nicht „gezwungen“ aufs Land zu ziehen, um seinen Kindern einen ruhigen und behüteten Platz zum Aufwachsen zu bieten.
Bochum liegt also voll im Entwicklungstrend, weil es sich zuvor wagemutig, aber voraussichtig gegen den Trend entschieden hat.